Brauchen Start-Ups eine PR-Agentur?

Dass PR superwichtig für jeden ist, ist klar, oder? Aber ist das wirklich so? Brauchen Start-Ups eine PR-Agentur?

Ach, eigentlich ist die Frage hier, auf dem Blog einer PR-Agentur, doch dämlich, werdet Ihr vielleicht denken. Ist doch klar, was dabei nur rauskommen kann. Vermutlich habt Ihr sogar recht. Eigentlich sollte ich in den Geschäfts-Schnappmechanismus verfallen: Klar, superwichtig, sofort, immer, haut rein, investiert, und übrigens: Ich bin für Euch da, wenn ihr mich braucht. Ich schnappe nur kurz, denn ich sehe das differenzierter: Nein, ich glaube nicht, dass Start-Ups eine PR-Agentur brauchen. Zumindest nicht alle, und zumindest nicht zwingend von der ersten Stunde an.

Nur um das gleich vorweg klarzustellen: PR ist und bleibt aus meiner Sicht ein wichtiger Faktor im Erfolgslebenszyklus eines Unternehmens. Aber gerade in den frühen Stadien eines Start-Ups haben Jungunternehmer den Kopf mit vielem voll. Und das ist auch gut so. Und auch wenn die Gedanken nicht sofort in Richtung externer PR-Support gehen müssen, Gedanken über Kommunikation sollten dennoch nicht außer Acht gelassen werden.

Product first, PR later!
Seriöse PR baut keine sprachlichen Luftschlösser. Gute, professionelle PR erzählt Geschichten, die für die Zuhörer, für die jeweilige Zielgruppe einen echten Mehrwert generieren und sie bei ihren jeweiligen Wünschen und Bedürfnissen abholt. Die beste Geschichte nützt jedoch nichts, wenn sie die dadurch aufgeworfenen Erwartungen nicht erfüllt. Heißt im Klartext: Geschichten, die nicht auf einem funktionierenden Produkt, belegbaren Referenzen, einer verfügbaren Dienstleistung und den jeweils dahinter stehenden Personen oder einer bereits stark aufgeladenen Marke aufbauen, stehen auf extrem dünnem PR-Eis. Und mehr noch: Sie können sich sogar eher kontraproduktiv für den Markterfolg auswirken, werden beispielsweise Launchtermine ständig verschoben oder die Dienstleistungsqualität kann nicht gehalten werden. Nur ein falscher kommunikativer Schritt, und möglichen langfristigen (Kunden-)Beziehungen wird schon zu Beginn ein für alle mal die Basis entzogen.

PR braucht Zeit
Public Relations ist, was der Name bereits aussagt, vor allem eines: Relationship Management – zu Journalisten, zu Investoren, zu potenziellen Kunden, zu den „Publics“, salopp und breit formuliert: zu denjenigen Menschen, mit denen Du zu tun hast. Es gilt, Vertrauen und damit echte Fans und Botschafter für die eigene Idee, für das eigene Produkt zu gewinnen. Das geht nicht über Nacht. Oder mit einer einzigen Pressemeldung. Public Relations ist also mehr Marathon als Sprint. Denn auch wenn für einen Start-Up-CEO das eigene Unternehmen, das eigene Business-Baby immer das schönste, beste, größte ist – let’s face it: Keine Sau interessiert sich für dieses Start-Up, zuerst einmal. Alle fangen bei Null an, kein Start-Up wird als Apple geboren. Und auch wenn eine Zusammenarbeit mit externen Profis mit Kontakten und PR-Know-How diese Beziehungsarbeit beschleunigen kann: Public Relations braucht einfach Zeit, um sein volles Potenzial zu entfalten. Dessen sollte sich jedes Start-Up bewusst sein. Der Lohn: eine hohe Beziehungsqualität, die auf gegenseitigem Vertrauen aufbaut.

Kommunikation der Idee frühzeitig mitdenken
Gerade, weil PR Zeit bedarf, ist es wichtig, sich im Start-Up-Leben frühzeitig über Kommunikation zumindest Gedanken zu machen. Zumal es Kommunikation ist, die das Start-Up und die Idee formt. Zumal es Kommunikation ist, die Investoren überzeugen muss, der Idee zu vertrauen, Stichwort Elevator Pitch. Zumal es Kommunikation ist, die Geschäftspartner in frühen Start-Up-Phasen mit ins Boot holen hilft. Wo stehe ich, wo steht mein Produkt, was ist dessen USP im Markt? Das sind die Kernfragen, die sich jedes Start-Up beim Business Plan sowieso stellen muss. Daran anknüpfend: Wie lässt sich dies alles in welcher Zielgruppe mit welcher Botschaft kommunizieren? Und Bumm, die ersten Hausaufgaben und die Basis für in weiterer Folge strategisch angelegte PR sind gemacht. Die Antworten darauf zeigt die kommunikative Richtung auf, die es sich zu gehen lohnt und die es verdient, gehört zu werden und Menschen zu begeistern.

Wann ist also der richtige Zeitpunkt für PR-Unterstützung?
So wie so vieles sind natürlich auch Start-Ups unterschiedlich. So müssen Projekte, die beispielsweise ihr Businessmodell auf Crowdfunding aufsetzen, bereits mit der Idee bei einem großen Publikum mit starker Außenwirkung punkten, während andere Start-Ups, beispielsweise jene, die mit ihrer Lösung regional ausgerichtet sind, gezielte Einzelschritte in Sachen Kommunikation setzen können. Dementsprechend unterschiedlich fällt natürlich auch die Notwendigkeit für eine professionell aufgesetzte Kommunikations aus. Zudem ist dank Social Media und neuen, direkten Kanälen zu den eigenen Zielgruppen heutzutage deutlich einfacher möglich, ohne großen Aufwand und externer PR-Unterstützung zu kommunizieren. Nur – und hier wiederhole ich mich gern: Die Kommunikationsstrategie muss davor stehen. Sonst verpufft auch dieser geringe Aufwand ohne echten Nutzen. Alles, was ins Sachen Kommunikation folgt, entscheidet dann die Geschäftsstrategie und das entsprechende (und hoffentlich eintretende) Wachstum. Die einfache Logik: Je größer der Erfolg, desto komplexer die Beziehung- und Kommunikationsstrukturen, desto mehr zu tun in Sachen PR. Ein fixes Datum, ab wann es sich lohnt, in externe PR-Agenturen zu investieren, ist daher nicht wirklich zu nennen. Aber wer das als Start-Up tut, sollte diese Zusammenarbeit langfristig planen und mit Commitment und Begeisterung verfolgen. Und sei es auch mit der Wederei…;-)

2 Kommentare
  1. LilLoco Agentur
    LilLoco Agentur says:

    Meiner Meinung nach braucht man NIE eine PR Agentur! Vor allem bei Start Ups ist das Budget sehr gering dh. man sollte dies besser in vestieren als in PR.
    Sollte man wirklich eine Form von Marketing machen wollen als Start up dann lohnt es sich im Online Marketing bereich umzusehen.

    Antworten
    • s.weder
      s.weder says:

      Eure Meinung (als Agentur?) in allen Ehren, aber ich denke, Ihr macht es Euch zu einfach. Wer ist „man“? Ist Start Up gleich Start Up? Und was ist für Euch eigentlich PR? Dass Online (oder SEO wie bei Euch) heutzutage wichtig ist, erklärt sich von selbst. Aber einfach „Start Up Marketing = online“ greift deutlich zu kurz und ist als Aussage in meinen Augen viel zu wenig differenziert. Insbesondere mit Blick auf die Potenziale, die ein zielorientiert entwickelter Kommunikationsmix in sich trägt. Und da ist für Start Ups heute auch recht viel mit kleinen Budgets drin.

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