Blogger = Journalist?!

Blogger sind jetzt auch Journalisten, zumindest in Neuseeland. So what? Ein Aufruf zum Mitdiskutieren. (fw)

Zugegeben – ein heißes Eisen, das ich hier anfasse. Die Professionalisierungsdebatte ist so alt wie die Berufsfelder, die heute irgendwo zwischen Crowd-Journalismus und Content-Marketing angesiedelt werden. Und doch möchte ich das Eisen einmal kurz aus dem Feuer holen, nicht nur aber auch aus zwei aktuellen Anlässen, die mich zum Nachdenken angeregt haben:

1. Bloggers are journalists. Ein neues Gesetz in Neuseeland sagt, Blogger sind jetzt auch Journalisten; tatsächlich wurde dies nun in Neuseeland vom High Court in einem Urteil bestätigt. Zweite Novelle: Blogs sind damit auch „Nachrichtenmedien“. Ausgangspunkt der Entscheidung war die Notwendigkeit des Quellenschutzes für einen Informanten eines Blog-Beitrags (in Europa geregelt im Rahmen der Pressefreiheitsgesetze, z.B. in Deutschland oder in Österreich. In Neuseeland oder Australien bezeichnet als „shield law“, hier allerdings nicht im Grundgesetz verankert. Interessant ist, dass neben den rechtlichen Konsequenzen in Sachen Informantenschutz in der weiter geführten Diskussion gesagt wird, dass dies keine Auswirkungen darauf hätte, dass Blogs nun eine bestimmte Qualität oder ein bestimmtes Format haben müssten.

2. Bloggers always were journalists! Die deutsche Verbandszeitschrift „journalist“ setzte sich im Sommer 2007 mit dem Phänomen Journalistenblogs auseinander und beschreibt diese vor allem als kommunikative „Spielwiese“. U.a. beschrieb der Medienjournalist Stefan Niggemeier sein Bloggen als ziellos: „ohne Kalkül und unter Vernachlässigung professioneller Auswahl- und Relevanzkriterien“ (S. 18). Und heute, sieben Jahre später? Arianna Huffington, die „Königin der Blogger“ war erst kürzlich in Österreich. Sie regiert ein Content-Reich: 10.000 Blogger kreieren die Geschichten ihrer Huffington Post. Ihr „Alternativangebot“ im Medienmarkt zeichnet sich genau durch die von Niggemeier genannten veränderten Kriterien aus: Auch good news sind good news und journalistische Qualität wird im Sinne eines bottom up und „news sharing“ Ansatzes neu definiert, LeserInnen und ZuseherInnen werden zu Journalistinnen und andersrum.

Diese beiden Denkanstöße zeigen, dass die Frage nach der Definition (Blogger oder Journalist, altes oder neues Nachrichtenmedium) eigentlich überflüssig geworden ist – eine beängstigender Sachverhalt für mich als Wissenschaftlerin oder „Theorie-Pflaume“.

Weitergedacht ist in meinen Augen Bloggen heute nicht mehr gleichzusetzen mit „Schreibübungen“ mit völliger Regelfreiheit. Vielmehr zeigen die unterschiedlichsten Publikationsformate und -wege, dass sich gemeinsame Regeln, Qualitäts- aber auch Professionalitätsmaßstäbe quasi von den Professionen und damit auch bisherigen „Schubladen“ für Medienformate lösen und quasi quer durch alle Kommunikationsberufe und damit Kommunikationsaktivitäten liegen.

Was meint Ihr? Ist eine Trennung zwischen einzelnen „Berufsgruppen“ im Kommunikationsbereich erstens noch realistisch und zweitens noch angemessen? Gibt es eine „Konvergenz der Professionen“? Und was sind die Konsequenzen?

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