Das Image von PR ist grausam schlecht. Und ich mittendrin auf der „Seite des Bösen“? 

Ich bin böse, verdammt böse. Ich bin auf Verleumdung, Betrug und Täuschung aus. Ich spinne kommunikative Intrigen. Denn ich bin ein PRler. Ich bin auf der „dunklen Seite der Kommunikationsbranche“. Ich bin der „Darth Weder der Kommunikation“. Mein Wort ist mein Laserschwert, meine Agentur mein „Executor“.

So sollte ich mich fühlen, geht es nach den aktuellen Imagewerten der PR-Branche. In den USA rangiert der Beruf des PR-Managers auf Rang 113, gleich hinter Gabelstapelfahrer. In der österreichischen PR-Szene schätzt nur jeder zweite das Image der PR als gut ein, Tendenz abnehmend, so die Ergebnisse der Umfrage des österreichischen Branchenverbandes PRVA (Ende 2010).

Schlechtes Image selbstgemacht

An diesem schlechten Image ist die Branche größtenteils selbst Schuld. Kommunikationsbomben wie Hochegger, die ich hautnah hochgehen sah (und die einen Haufen guter PR-Leute mitriss), oder Hunziker oder die Deutsche Bahn verfestigen das „PR=Bös-Image“. Und ob die einzelnen Fälle jetzt unter dem Label  „Lobbying“ oder „PR“ laufen, ist mir in diesem Zusammenhang eigentlich gut österreichisch „Blunzn“ oder „Powidl“, also ziemlich egal. Denn sich in definitorischen Kleinkriegen zu verlieren, ist reine Ablenkung vom Wesentlichen. Moderne Kommunikation von heute muss gesamtheitlich gedacht werden, nicht in Disziplinen. Fakt ist, die Kommunikations-Branche hat ein Problem. Ein Image-Problem.

Das allein mit der „Schwarze-Schafe-Thematik“ abzutun, wäre zu einfach. Und auch der 100ste ethische Verhaltenskodex ist und bleibt ein Luftschloss, wenn die Realität anders aussieht. Oder zumindest Stückwerk. Dabei hat die Branche viel zu bieten und einen hohen Stellenwert –  für den Einzelnen, die Wirtschaft, die Gesellschaft. Kommunikation ist vielfältig, verschiedene Aufgabenbereiche, verschiedene Kanäle, unzählige von Möglichkeiten. Zudem geht es um Information, der Vermittlung von (mal mehr mal weniger relevanten) Inhalten, um einen sinnvollen, konstruktiven Dialog mit den wichtigen Öffentlichkeiten, mit Journalisten und Medien, weiters auch um die Wahrnehmung der Kontrollfunktion. Und ja, Kommunikation ist auch dafür da, um beispielsweise Unternehmen zu unterstützen, ihren Umsatz zu steigern. Dies – so erlebe ich es – wird oft per se als verwerflich verflucht. Für mich ist es das nicht. Das Wie bleibt entscheidend.

Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit als Grundwerte

Kommunikation verändert sich, Jahr für Jahr, Tag für Tag. Social Media beschleunigt den Weg in Richtung Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit, die Attribute, die für mich professionelle Kommunikation ausmachen. In der Kommunikation geht es um gesunde Langfristbeziehungen – und die kann ich nicht mit Lug und Trug aufbauen und halten. Das sagt einem eigentlich auch der gesunde Hausverstand.

Ihr könnt mir glauben: Ich fühle ich mich wohl als PRler. Ich bin mit Leib und Seele PRler, und ich mache das sehr gerne. Ich kommuniziere mit Freude – für mich, für meine Kunden. Dieses Image der Branche kriegt mich nicht unter. Ich muss mich erstens nicht so fühlen wie dargestellt und zweitens kann auch ich – mit kleinen Schritten zwar aber dennoch – dazu beitragen, dieses ramponierte Image langfristig wieder zu verbessern. Dies versuche ich tagtäglich mit offener, klarer Kommunikation. Mein persönlicher Beitrag auf dem Weg zur „hellen Seite der Kommunikation“. Ich bin überzeugt: Am Ende eines Kommunikationstages ist es mit der PR wie bei Star Wars. Auch der vermeintlich Böseste und Arglistigste unter den Star Wars-Charakteren zeigt sich am Ende geleutert, bekennt sich noch im Sterben zur „lichten Seite“. Aber so weit muss ich es ja nicht kommen lassen…

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