Es funkt im Flur!

Gefahren und Werte informeller Kommunikationskanäle im Unternehmen.  Ach, wie schön sind doch diese informellen Gespräche, der Plausch zwischendurch, die kleine Anekdote bei einem Kaffee, die Neuigkeit zwischen einer Zigarette und der nächsten Email, die am Schreibtisch wartet. Wie herrlich sind doch die Gerüchte, die sich auf den Fluren in den Unternehmen dieser Welt herumtreiben. Und wie gefährlich! Denn auf die leichte Schulter sollten diese, oftmals als Tratscherei abgetane Kommunikationsinhalte nicht genommen werden. Allzu schnell verfestigt sich in einem Gespräch ein Image, das man so schnell nicht wieder losbekommt – von Fremden, Mitarbeitern oder sich selbst. Allzu schnell werden Diskussionen angezettelt, die an Entscheidungen rütteln und diese untergraben.

Der Flurfunk ist für mich ein wichtiger Kanal moderner Kommunikation, der jedoch außerhalb des professionellen Radars stattfindet. Zurecht? Ist er für die interne Kommunikation von Unternehmen belanglos oder als Kanal zu gebrauchen? Oder steht er konträr dagegen?

Für mich ist klar: Der Flurfunk ist kein Kanal, in dem von oben verordnete Kommunikation stattfinden kann. Der Flurfunk geht seine eigenen Wege. Ein Blick auf die Mechanismen des Flurfunks zeigt mir, dass wir nicht sehr weit entfernt sind von den gebetsmühlenartig wiederholten Dogmen für die Nutzung von Social Media: Geredet wird, ob mit Dir oder ohne Dich? Sei dabei, partizipiere, offen, transparent. Und bedenke immer, was Du machst, habe ein Ziel vor Augen und sei Dir klar über den Einsatz von Kommunikation. Übersetzt also: Mit einer Kommunikationsstrategie in den Flurfunk  gehen? Das klingt vielleicht komisch, aber warum nicht, solange es bei Wahrheit und offener, persönlicher Meinung bleibt? Oftmals ist man sich der eigenen Strategie im Kopf vielleicht gar nicht bewußt, kommuniziert und argumentiert aber dennoch in die persönlich gewünschte Richtung.

Wichtig zu betrachten ist für mich in der Diskussion auch der Wert, den der Flurfunk für die Mitarbeiter im Unternehmen besitzt. Für viele ist es ein wichtiges Kommunikationsventil in den Hierarchien eines Unternehmens, ein kommunikatives Herausbrechen aus den Strukturen, für andere ein wichtiger Baustein für den Erfahrungsaustausch oder als Ersatzbrainstorm, für wieder andere aber auch einfach nur Plauderei. Gleich wofür, auf jeden Fall ein Kanal, der oftmals wichtig ist für das Wohlbefinden eines Mitarbeiters im Unternehmen.

Kommunikationsmanagement gefragt

Heißt das also für Unternehmen Augen zu und durch? Ganz sicher nicht. Ein angeregter Flurfunk im Unternehmen ist entweder bereits ein Zeichen offener Firmenkultur oder ein Zeichen, das etwas in Sachen Kommunikation und Führung im Argen liegt. Wer die Zeichen erkennt, ist auf einem guten Weg. Denn ein Erkennen bedeutet, sich und seine Kommunikation bzw. die interne Kommunikation zu hinterfragen – und im besten Fall Lösungsansätze zu erarbeiten.

Hier kommt dem Kommunikationsmanagement dann bald eine wesentliche Bedeutung zu. Die „klassische“ Frage im Kommunikationsfluss: Wer spricht mit wem zu welcher Zeit am richtigen Ort mit welcher Qualität. Alle Mitarbeiter haben hier ihren Platz und ihre Bedeutung im Unternehmen, sozusagen als interne Botschafter. Auch die „offiziellen“ Kommunikatoren im Unternehmen sind Kommunikatoren in eigener Sache und aktive Teilnehmer im Flurfunk. Und da diese, besonders in größeren Unternehmen, tiefer in die offiziellen Informationsflüsse eingebunden sind als der „gewöhnliche“ Angestellte, haben sie zumindest die Chance, regulierend in die Gespräche auf dem Gang einzugreifen, Gerüchten entgegenzuwirken etc.

Wie weit das gehen kann und darf, ist klarerweise eine individuelle Frage, die jedes Unternehmen für sich selbst beantworten muss. Auf der internen Agenda von Kommunikationsabteilungen jedoch finden sich oft die selben Ansätze: echte Feedbackmöglichkeiten für die Mitarbeiter stärken, Partizipations- und Entscheidungsmöglichkeiten steigern, Informationsflüsse offener gestalten. Wichtige Kommunikationsarbeit, die sich aber für Unternehmen lohnt. Denn das Ohr am Flurfunk erspart viele interne Krisen.

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