Erfolg von Kommunikation hängt vom richtigen Zeitpunkt ab. Oder? Und wenn, wann ist der?

Spekulatius schon im August in den Läden, Jahresrückblickshows im Fernsehen schon Anfang Dezember – es nimmt schon kuriose Züge an, die Jagd nach dem ersten Platz. Immer schneller, immer früher muss es sein. In der Wirtschaft gilt: Wer als erster dran ist, macht die meisten Umsätze. Doch wie hält es sich mit der Kommunikation? Muss ich immer als erster kommunizieren, um wahrgenommen zu werden? Die Kernfrage lautet: Wann ist der richtige Zeitpunkt für Kommunikation?

Ganz so einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Zu unterschiedlich sind die Situationen, in denen Kommunikation stattfindet. In Krisensituationen beispielsweise ist Geschwindigkeit eine echte Größe. Je schneller glaubwürdig und offen reagiert wird, desto besser. Insbesondere, wenn man an die Informationsbeschleunigung durch Kanäle wie Facebook, Twitter & Co. denkt. Aber Krisensituationen sind Extremsituationen, die – und so hoffe ich – nicht zum Tagesgeschäft von Unternehmen gehören. Ich will mich jedoch mit der Alltagskommunikation“  auseinandersetzen. Das Ziel: Gehör zu finden für die eigenen Inhalte im überbordenden Nachrichtenfluss.

Die „PR-Gesetze“ werden aufgebrochen

Immer wieder gibt es spannende Diskussionen mit unseren Kunden, wann nun beispielsweise der richtige Zeitpunkt für den Versand eines Pressetextes sei. Im PR-Lehrbuch herrscht ein klares Credo vor: am besten vormittags, am besten Dienstag bis Donnerstags bzw. ggf. auch noch orientiert an den jeweiligen Redaktionsschlüssen von Sonderbeilagen. Aber, wie so oft bei Sätzen mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit, schon die erste Einschränkung: Dies trifft für Tageszeitungen zu. In anderen Mediengattungen sieht das schon wieder anders aus.

OK, einigen wir uns auf Folgendes: Gute Kommunikatoren kennen den Redaktionsalltag – und orientieren sich daran. Vage zwar, aber wir nähern uns dem richtigen Zeitpunkt an, oder? Schließlich gibt der Andruck bei den gedruckten Medien immer noch die Zeit für Informationen vor. Viel wichtiger jedoch: Menschen arbeiten mit Menschen, PRler mit Journalisten – nicht mit Papier. Und deshalb formuliere ich die Frage kurzerhand einmal um: Wann nehmen Menschen Information am besten auf?

Ich schließe einmal von mir auf andere: Menschen nehmen Information an besten auf, wenn sie nicht gestresst sind, wenn sie Zeit haben und die Inhalte interessant erscheinen. Selbst wenn mir die adressierte Person gegenübersteht, kann ich nicht alle Faktoren abschätzen. Um wieviel schwerer ist das dann bei einer unpersönlichen Email. Beispiel Medienarbeit: Es ist kein Geheimnis, dass der Einfluss der PR auf die Redaktionen immer größer wird. Mehr PR-Texte pro Tag, mehr Inhalte treffen auf immer weniger Journalisten, die teils in stark wirtschaftlichen Zwängen operieren. Pressetexte also Dienstags bis Donnerstags, vormittags, wenn alle Pressetexte schicken? Setze ich mich dieser Konkurrenz, dieser Masse aus? Ist der Stressfaktor beim Journalisten zu dieser Zeit niedrig? Habe ich eine andere Wahl? Gehe ich bewusst neue Wege?

Was ich zeigen wollte: Die Diskussion ist äußerst vielschichtig, die Faktoren, die den richtigen Zeitpunkt für Kommunikation ausmachen, ebenfalls. Die strengen „PR-Gesetze“ haben für mich daher nur noch bedingte Gültigkeit. Die Welt ändert sich. Rasant. Und die Kommunikation auch. Social Media bricht die klassischen Kanäle auf, lässt neue Formen der Kommunikation und Zusammenarbeit entstehen. Zur Kernfrage zurück: Der richtige Zeitpunkt für Kommunikation in seiner allgemeingültigen Form existiert nicht, jedes Thema, jeder Tag, jeder Kontakt ist anders, einzigartig. Für mich sind vielmehr folgende Punkte essentiell:

  1. Kenne Deinen Gegenüber: Gleich, mit wem Du über was auch immer kommunizierst – zu wissen, wie Dein Gegenüber tickt, was ihn interessiert, hilft, eine gute Kommunikationsbasis aufzubauen.
  2. Du musst gesehen und gehört werden: Um „verarbeitet“ zu werden, muss die News erst einmal von der jeweiligen Zielgruppe gesehen werden. Kommunikation ist vielschichtig, die Kanäle zum gewünschten Empfänger der Information ebenfalls. Nutze diese! Das ist zwar noch immer keine Garantie, dass die News Aufmerksamkeit erhält, erhöht aber die Chancen.
  3. Es ist der Inhalt, der entscheidet: Zeitpunkt hin, Zeitpunkt her – wenn der Inhalt dem entspricht, was sich Journalisten für ihre Leserschaft, Menschen für ihre Follower etc. vorstellen, wird er auch verarbeitet. Wichtig dabei: Der Inhalt muss interessant für den Empfänger nicht den Absender sein!

PS: Ich warte auf den ersten Kunden, der sich traut, seine Medienaussendungen mit der Wederei am Wochenende zu verschicken…

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.