Kann ich Unternehmen?

Ich war immer ein Agentur-Mensch, mein ganzes PR-Leben lang. Aber kann ich auch Unternehmen?

unternehmenspr Eigentlich kam ich dazu wie die Jungfrau zum Kinde, zu diesem einen Vorstellungsgespräch, bei dem ich vor rund einem  Monat saß. Denn weder habe ich aktiv nach Jobs geschaut, noch war und ist es mein Plan, der Wederei den Rücken  zuzukehren. Aber es schien Fügung, dass mich dieses Angebot über Umwege erreicht hat: Ein cooler Job war zu vergeben, einer, der wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge für einen Tech-PR-Spezialisten wie mich gepasst hätte. Nachdem es solche Angebote nicht alle Tage gibt und beim Reden bekanntlicher Weise die Leute z’samkommen, habe ich dem Ganzen eine Chance gegeben, mich zu überzeugen. Ich nehme es vorweg: Ich habe abgelehnt. Worauf ich aber hier hinaus will, ist eine grundsätzliche Frage aus besagtem Gespräch: Trauen Sie sich denn Unternehmens-PR zu?

Die Frage ist absolut plausibel, insbesondere wenn man auf meinen bisherigen PR-Lebensweg schaut. Klar, da waren ein paar Unternehmen dabei, Deutsche Post, Lufthansa, Wacker Chemie. Aber erstens waren das alles Praktika, und zweitens war das in einer Zeit, in der Nokia noch Marktführer war und unter sozialen Medien eine Spende der SZ an den Zoo in München verstanden wurde. Seit ich also PR professionell denke, atme und lebe, war ich Agentur-Mensch.

Flexibles Führungstier mit Medienerfahrung gesucht
Warum aber ist Unternehmenserfahrung so bedeutend? Was braucht denn ein Unternehmenssprecher eigentlich? Glaubt man dem Internet (hier, hier, hier, hier oder auch hier), gibt es wichtige Profilmerkmale, die einen Unternehmenssprecher auszeichnen: Identifikation mit dem Unternehmen, ausgeprägtes Informationsmanagement und Strategiefähigkeit, Führungskompetenz, flexibles Arbeiten, vertraut mit der Arbeitsweise der Medien, Pressekontakte, ein hohes Maß an Organisation, Berater und Redenschreiber für den CEO und Meister im Meistern interner Befindlichkeiten. So what? Bis auf Erstgenanntes scheint alles auch auf PR-Manager mit Führungsverantwortung in Agenturen zutreffend.

Ich kann nur mutmaßen: Die Aufgabe in Unternehmen ist deutlich vielschichtiger als es sich mir derzeit darstellt. Obwohl ich durchaus das Gefühl habe, eine Menge mitzubekommen, was in Unternehmen abgeht, scheint da mehr zu sein. Von einigen FreundInnen, KollegInnen und JournalistInnen, die den Schritt von Agentur- auf Unternehmensseite gemacht (oder sollte ich sagen: geschafft) haben, höre ich immer wieder, dass die eigentliche und größte Herausforderung dort im Dirigieren des internen Unternehmensorchesters liegt. PR, so der Tenor, können wir irgendwie alle. Das psychologische Momentum im Unternehmen sei aber höher, die Komplexität herausfordender. Die Kommunikationsabteilung gelte als Drehscheibe unterschiedlicher Animositäten, als Netzwerkknotenpunkt, als Berater und gleichzeitig Mahner in Sachen Außenwirkung. Viele Köche sollen nicht den einen Brei verderben, der sich Image nennt. Denn das kann letztlich teuer werden.

Agenturleben als Reifeprüfung
Ich kenne wenige von meinen Ex-Agentur-KollegInnen, die auf Unternehmensseite gescheitert sind oder die Seite wieder gewechselt haben. Mehr noch: Ich sehe das Agenturleben als die vielseitigste Ausbildungsform in Sachen „Dirigieren“ und „Servicieren“. Und das in viele Richtungen: in Richtung Kunden, in Richtung Vorgesetzter und Mitarbeiter und in Richtung Medien. Von den vielen anderen Hunderten von Stakeholdern, die sonst noch im Laufe eines PR-Lebens getroffen, verarztet und bespielt werden, noch gar nicht gesprochen. Ich denke, das prägt eine Gesinnung, eine Herangehensweise an den von mir so geliebten Job, die wie ich meine auch im Unternehmen, minimalistisch ausgedrückt, zumindest überlebensfähig macht.

Was ziehe ich also daraus?
1) Ich bin überzeugt, ich könnte Unternehmens-PR.
2) Ich bin überzeugt, ich müsste dafür dennoch viel erfahren und lernen.
3) Ich bin überzeugt, dass Nummer 2) auch für die Wederei und sonst so für das Leben gilt.

In diesem Sinne gehe ich wieder ran an die Arbeit – und lerne. Vielleicht sogar irgendwann mal für Unternehmens-PR.

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