Kommt Ihnen IT-Sprech oft Spanisch vor? Ein Plädoyer für den CIO als IT-Botschafter im Unternehmen.

Ich bin gerade aus Neuseeland zurück. Und ich gebe zu: Nach langen Monaten nur englisch fällt es mir schwer, wieder in den klingenden Rhythmus der deutschen Sprache einzutauchen. Ich ertappe mich dabei, in Sätzen englische Wörter einfließen zu lassen. Die Folge: Ich werde nicht verstanden. Oder fast nicht. Wie zuletzt beim Kauf einer Schutzhülle für mein Smartphone. „Ich hätte gerne ein Case für mein Smartphone“, erklärte ich der Verkäuferin. Die sieht mich fragend an: „Ein Case? Ach so, ein Tascherl fürs Handy meinen Sie. Zweiter Stock bitte.“

Auch wenn dies nur eine kleine Anekdote war, hat diese mich doch erinnert an einen Kommentar, den ich im vergangenen Jahr für das IT-Magazin „Output“ verfasst habe. Gleiches Problem, anderer Hintergrund. Es ging um den IT-Sprech im Unternehmen und die für mich notwendige Rolle eines Übersetzers. Daher hier noch einmal aus aktuellem Anlass für alle, die den Kommentar damals verpasst hatten im Originalwortlaut (auch zu finden unter http://www.output.at/cio-des-monats/sprechen-sie-it).

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Sprechen Sie IT?

SOA, ERP, iSCSI, SDK – manchmal wäre ja so ein Wörterbuch »Nerd-Deutsch, Deutsch-Nerd« wirklich praktisch. Soll der IT-Sprech jedoch keinem sprichwörtlich spanisch vorkommen, braucht es Übersetzer. Deren Aufgabe: Komplexes verständlich erklären.

Sprechen Sie IT? Wissen Sie, was sich beispielsweise hinter einem Kürzel wie SOA verbirgt? Richtig, das dürfte für Sie ja kein Problem sein, schließlich lesen Sie ja gerade ein IT-Magazin. Oder doch nicht? IT-Sprech jedenfalls strotzt nur so vor Abkürzungen, Fremdwörtern oder Anglizismen. Da können selbst eingefleischte Techies hin und wieder den Überblick verlieren. Und wenn es den Profis schon so geht, wie sieht es dann erst bei den »normalen« Mitarbeitern in Ihrem Unternehmen aus?

IT als Kulturkampf

Die Mitarbeiterfront ist breit: Einerseits die Techno-Greenhorns, denen schon ein Programm wie Excel Schweißausbrüche bereitet. Neuerungen in der IT sehen sie als Bedrohung, wähnen gewohnte, teils über Jahre antrainierte Arbeitsweisen in Gefahr. Andererseits die PC-Künstler, die in die Notebook-Tasten hauen wie Lang Lang auf seinem Flügel. Sie können es kaum erwarten, neue und immer wieder neue Programme und Tools auszuprobieren, und fordern diese auch. Und zwischen den Fronten sitzt der CIO mit seinem Team, oft gehasst und verflucht, wenn etwas in der IT nicht funktioniert, immer gefangen zwischen Pflichterfüllung und IT-Entwicklung, zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Sie alle haben eines gemeinsam: Am Ende des Tages müssen sie mit IT-Unterstützung ihre Leistung für das Unternehmen bringen, gleich, wie sie gegenüber der IT eingestellt sind.

IT ist also in gewissen Teilen zu einem echten Kulturkampf im Unternehmen geworden. Gesucht wird die breite Akzeptanz für die IT – und um diese zu erreichen, braucht es Menschen, die die wunderbare Welt der IT erklären. Mehr noch: verständlich, begreifbar und nutzbar machen, fernab von allen Bits und Bytes, fernab vom IT-Sprech. Da das Berufsbild des IT-Übersetzers aber weder an den Universitäten noch bei Humboldt zu erlernen ist, muss diese Aufgabe aus den IT-Abteilungen selbst kommen, mit dem CIO als höchstem IT-Botschafter.

Kommunikation als Managementaufgabe

Es klingt fast schon abgedroschen: Kommunikation für die IT ist mehr als nur kommunizieren, mehr als reine Informationsvermittlung. Kommunikation ist eine strategische Managementaufgabe, die Basis für echten Erfolg die Strategie dahinter. Eine wichtige Kernfrage dazu hat der amerikanische Wissenschafter Harold D. Lasswell schon 1948 formuliert: Wer sagt was in welchem Kanal zu wem mit welchem Effekt?

Das Ziel lautet Verständigung, Verständnis und Akzeptanz. Im Kommunikations-Sprech: Es bedarf eines gemeinsamen Zeichenvorrats, um eine Nachricht zu senden, die vom Empfänger nicht nur empfangen und decodiert werden kann, sondern auch in exakt dem Sinn verstanden wird, wie es vom Sender impliziert war. Verständlich? Schlecht codiert? Noch einmal: Es gilt, sich als IT-Abteilung hineinzudenken in den Gegenüber, ihn dort abzuholen, wo er steht, »seine« Sprache zu sprechen.

Deshalb ist klar: Für IT-Sprech ist im Unternehmen eigentlich kein Platz. Wer die Finger aber partout nicht davon lassen kann, der kann diese Lust ja weiterhin ausleben – empfohlener Maßen jedoch innerhalb der IT-Abteilung oder unter Gleichgesinnten.

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