Organisations-Oktopusse, Aufgaben-Jongleure, Koordinationswunder – das seid Ihr, liebe Frauen. Und damit prädestiniert für PR. Muss ich also morgen meine weibliche Multitasking-Seite betonen? Ein textliches Augenzwinkern zu einem Trendthema unserer Zeit.

Ich liebe Infrastrukturen, insbesondere perfekte. So auch bei der Technologie. IT muss einfach funktionieren. Wenn die vielen Einsen und Nullen vor der eigenen Nase langsam laufen, weil wieder zu viele Programme geöffnet sind, kann mich das schon einmal zu so mancher Schimpftirade verleiten. Wenn das Computerhirn das schon nicht hinbekommt, wie soll ich denn das bewältigen, noch dazu als Mann?

Schließlich hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Frauen das mit dem Multitasking deutlich besser drauf haben als ihre männlichen Pendants. Die Gründe dafür bedienen oft das uralte Hausmütterchen-Schema, das an den Hausverstand-Stammtischen dieses Landes rauf und runter gespielt wird: Das Baby auf dem Arm, in der einen Hand den Kochlöffel, in der anderen das Bügeleisen, dazu das Smartphone zwischen Schulter und Ohr eingeklemmt – so das Bild des weiblichen Karriere-Familien-Multitasking-Wunderwuzis. Wäre dieses Bild eine Plakat-Werbung, hätte ich die Beschwerde der Werbewatchgroup Klagenfurt wohl schneller am Tisch, als ich „Sexistischer Werbechauvinist“ sagen könnte. Jedenfalls sei dadurch bewiesen, dass Frauen demnach früh zum Üben anfangen mit diesem Multitasking. Sie seien damit also einfach trainierter als Männer.

Genauer hingegen als die Klischeeisten unter uns nehmen es die Gehirnforscher – und schmeißen Männlein wie Weiblein in ihren Laboren mit Aufgaben zu wie die Mäuse mit irgendwelchen Medikamenten. Das klare Ergebnis: Frauen sind besser, so eine Studie hier, eine andere hier, noch eine weitere hier. Oder doch nicht?

Zum Glück gibt es Studien zu Studien zu Studien. Somit wird hier ganz klar aufgezeigt: Männer können Multitasking doch besser, so eine Studie, und noch eine Studie. Und dann gibt es da noch die ganz Findigen, denen das Geschlechterding völlig egal ist, die jedoch, klarerweise Studien zufolge, wissen, dass Multitasking überhaupt nicht förderlich ist für die Qualität der jeweiligen Einzelaufgaben – und ebenso nicht für das Gehirn.

Und jetzt? Nun steh ich hier, ich armer Tor. Soll ich morgen beginnen, meine weibliche Organisationstalentseite zu betonen? Ich denke, ich bleib‘ dabei: Die Oktopusse gehören auf den Teller, die Jongleure in den Zirkus, die Wunder in die Kirche. Und ich mach weiter wie gewohnt eine Aufgabe nach der anderen. Aber zumindest werde ich ab jetzt gerne auch einmal ein Auge zudrücken, wenn Du wieder langsamer läufst, lieber PC. Aber bitte hör nicht auf damit, für mich zu multitasken!

1 Antwort

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.