Verliebt in Worte

Sprache ist ein tolles Spielzeug. Aber auch ein mächtiges Instrument. Über die Liebe zu Wörtern und dem Gehen in PR-Korsetten.

Ein Text. Ein schlichtes Aneinanderreihen von Wörtern, die gemeinsam einen Sinn ergeben. Ja, klar. Auch. Aber ein Text kann so viel mehr. Ist er kurz, prägnant, staccatoartig verfasst wie Schüsse aus einem Maschinengewehr? Oder sanft und poetisch eloquent ausgerollt, dahinfließend wie ein kühler Bergbach, der sich den Weg ins Tal schneidet, über eine längere Spanne der menschlichen Aufmerksamkeit hinweg? Auf jeden Fall mit Information, so oder so. Oftmals ausdrucksstark in Bildern und Vergleichen. Rührend, wie bei einem Soldaten, der nach dem Krieg heimkehrt und nach vielen Jahren seine Familie zum ersten Mal wiedersieht. Oder einfach nur faktenorientiert, rein statistisch, wie 75 Prozent all derjeniger bestätigen, die gerade diesen Text lesen. Nicht repräsentativ, versteht sich. Mit reimenden Reimen, mit stilistischen Mitteln, Methoden und Maßnahmen. Ich schreibe aktiv – und schreibe ich es aktiv, wirkt es anders, als wenn ich gezwungen werden würde, diesen Text zu verfassen. Lange Rede, kurzer Sinn: Sprache ist ein mächtiges Instrument, mehr noch, eine scharfe Waffe, dessen Umgang gelernt werden muss.

Sprachliche Ehrfurcht im Korsett
Wenn ich den Erzählungen meiner Lehrer-Schwägerin Anna lausche, Kommentare in Foren, Artikeln oder in den sozialen Medien verfolge oder oftmals einfach nur die Zeitung aufschlage, kommt in mir immer wieder das Gefühl auf, dass dieses Bewusstsein über, aber auch diese gewisse Ehrfurcht vor der (Spreng-)Kraft von Sprache ein wenig verloren zu gehen scheint. Ich hoffe, dass ich mich täusche. So und so: Sprache kann immenses Potenzial entfalten, wenn Wörter behutsam ausgewählt und richtig kombiniert werden. PRler sind sich dessen bewusst und nutzen das. Oder zumindest hoffe ich auch hier, dass sich die meisten dessen bewusst sind.

Gerade in der PR ist Sprache eine Herausforderung. Ich erlebe es immer wieder. So wird in Unternehmen oftmals ein starres Korsett an Texte angelegt. Klare Ziele müssen verfolgt, vorgegebene Botschaften getrommelt werden. So manche gut gemeinte Idee in Sachen Formulierung ist dort von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Erschwerend hinzu kommt, dass die Texte durch unterschiedliche Hände gehen, durch unterschiedliche Abteilungen.

Dennoch: Ein guter PRler muss sich in diesem sprachlichen Spannungsfeld zu bewegen wissen. Es gilt, die Texte so zu formulieren, dass sie nicht nur gut im Korsett aussehen, sondern in diesem auch noch zu tanzen vermögen. Oder anders ausgedrückt: Sie müssen bestimmte Botschaften inkludieren, die Positionierung verstärken und dennoch sprachlich anregend auf die jeweilige Zielgruppe hin formuliert sein.

Lieben und loslassen
Ich jedenfalls verfolge einen klaren persönlichen Leitsatz: Wenn mich jemand fragt, warum ich an einer bestimmten Stelle gerade dieses oder jenes Wort eingesetzt, diese oder jene Formulierung gewählt habe, möchte ich das genau erklären können. Ein hehres Ziel, dass sicherlich nicht immer einzuhalten ist. Aber ich versuche es.

Diese Herangehensweise kommt nicht von ungefähr. Ich muss sagen: Ich hatte Glück. Und gute Lehrmeister. Sowohl im Journalismus als auch im PR-Geschäft. Sie haben mich und vor allem meine Aufmerksamkeit für Wörter geschult. Dennoch muss klar sein: Es gibt nicht den perfekten Text. Sowohl Stil als auch Rezeption sind und bleiben immer individuell. Dazu ist Sprache einfach zu komplex.

Wie viele Texte ich in meiner beruflichen Laufbahn schon verfasst habe, krieg ich nicht mehr zusammen. Aber wenn ich trotz aller Liebe für jedes einzelne Wort als PRler eines gelernt habe: Vertiefe Dich in Deine Texte, stecke Herzblut und Hirnschmalz hinein, aber finde auch den richtigen Zeitpunkt, diese loszulassen, freizugeben, tanzen zu lassen. Auch wenn es dabei gefühlt zu Abstrichen in der B-Note kommt, können dennoch tolle Pirouetten entstehen.

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